Ein Bahnhof an einem einzigen Tag

Um zehn vor elf lag der Bahnhof noch in Einzelteilen auf dem Teppich. Zwei blaue Kartons, ausgeräumt bis auf die Beutel, ein Stapel Geländer in Türkis, die Dachscheiben noch in Folie, dazwischen ein Kabel, das schon mal bereitlag. Das erste Bild dieses Albums ist um 10:50 Uhr entstanden, das letzte um 17:13 Uhr. Dazwischen liegt der 6. Januar 2025 — ein Wintertag, an dem drinnenbleiben keine Strafe war.
Erst der Teppich, dann die Anlage
Ich baue solche Sachen am Boden. Das hat den Vorteil, dass nichts herunterfallen kann, und den Nachteil, dass man am Abend nicht mehr weiss, ob das kleine schwarze Teil zum Bausatz gehört oder zum Staubsauger.
Am Nachmittag stand der Bahnsteig zum ersten Mal für sich: drei Dachfelder auf den Stützen, die Scheiben eingeklickt, daneben noch die Reste — ein Giebeldach in Rot, ein paar Wände, das Gerüst des Uhrturms. Genau in diesem Zustand sieht so ein Bau am schlimmsten aus. Man hat Stunden investiert und hat trotzdem das Gefühl, es sei noch nichts passiert.
Am meisten Zeit frisst nicht das Zusammenstecken, sondern der Kleinkram: die Fahrplantafel, das Schild über dem Kiosk, die Bänke, der Automat. Und die Beleuchtung. Beleuchtung heisst Kabel, und Kabel wollen irgendwo hin, wo man sie nachher nicht sieht. Bei einem Bahnsteig, der von beiden Seiten offen ist, ist das keine ganz einfache Aufgabe.
Licht und Figuren machen den Unterschied
Am Abend kam der Bahnhof an seinen Platz an der Strecke, und da passiert dann das, wofür man den Tag gemacht hat. Unter dem Glasdach hängen die Lampen und werfen warme Flecken auf den Bahnsteig, im Boden davor sitzen ein paar Lichtpunkte, und hinter dem Gebäude steht die Windmühle im Halbdunkel. Auf dem Gleis wartet die grüne Lok.
Erst mit den Figuren wird es aber ein Bahnhof. Vorher ist es ein beleuchtetes Möbelstück. Ein Mann mit Koffer am Rand, jemand auf der roten Bank, eine kleine Gruppe vor der Anzeige — sobald die stehen, hat die Szene eine Uhrzeit. Man liest ihr an, dass gleich ein Zug kommt.
Ob das Ganze wirklich in einem Tag fertig geworden ist oder ob ich am nächsten Morgen noch etwas gerade gerückt habe, weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. Die Zeitstempel sagen: an diesem einen Tag stand er. Alles andere war vermutlich Nachbessern, und das hört bei mir sowieso nie auf.



