Echter Schnee für die Grossen

Am 22. November 2025 lag im Garten genug Schnee, dass ich die XXL-Figuren aus dem Keller geholt habe. Sie reichen mir ungefähr bis zum Knie und wiegen genug, dass man sie einzeln trägt. Zwei Gänge hin und zurück, dann standen sie am Hang zwischen den verschneiten Tannen, mit Mützen, Schals und ein paar Sauriern, die sich in dieser Runde als Haustiere ausgeben.
Schnee, den man nicht bauen kann
Für Dioramen gibt es Kunstschnee in der Tüte, und er sieht in jedem Bild aus wie Kunstschnee in der Tüte. Draussen bekommst Du all das geschenkt, worauf es ankommt: die Kruste, die unter dem Fuss der Figur einbricht. Die Spuren, die man selber hineingetreten hat und die man beim Aufstellen dauernd korrigieren muss. Die Klumpen, die von den Zweigen fallen, sobald man einen Ast auch nur streift. Und die Schatten, die im Novemberlicht wirklich blau sind, ohne dass jemand nachhilft.
Der Schneeball in der Hand ist ein zweites Beispiel. Ich habe drei- oder viermal gedrückt, bis einer gehalten hat und trotzdem noch aussah, als hätte ihn jemand hastig geformt. Zu rund wirkt falsch. Ein sauber gerollter Ball sieht aus wie ein Requisit, ein leicht schiefer sieht aus wie ein Wurf.
Kalt wird zuerst der Fotograf
Die Figuren stört die Kälte nicht, mich schon. Ohne Handschuhe geht das Aufstellen besser und dauert dafür genau so lange, wie man es aushält. Viel mehr als eine halbe Stunde am Stück ist es bei mir nicht geworden, dann waren die Finger steif und die Bilder wurden nicht mehr besser, nur zahlreicher.
Dazu kommt das Nasse. Auf den warmen Händen schmilzt der Schnee sofort, das Wasser läuft an den Figuren herunter und kriecht in jede Fuge. Die gestrickten Sachen saugen sich voll und brauchen danach deutlich länger als der Kunststoff. Ich habe alles über Nacht drinnen stehen lassen, Mützen und Schals separat, und würde niemandem raten, so eine Figur nass in die Kiste zurückzustellen.
Dazu gehört das Schaufeln
Vom selben Tag stammen auch die Bilder mit den Schaufeln. Eine Figur mit langem Holzstiel, daneben eine blaue Wanne voll Schnee und zwei Plastikschaufeln in Orange und Gelb. Das war ursprünglich keine Fotoidee, sondern Arbeit — der Weg musste ohnehin frei werden. Erst als das Gerät nebeneinander im Schnee stand, hat es angefangen, nach einer Szene auszusehen.
Genau das mag ich am Fotografieren draussen: Man plant zwei Bilder und bekommt ein drittes, an das man nicht gedacht hatte. Nachstellen lässt sich das nicht. Man muss warten, bis es wieder schneit.



